Zur Erinnerung an Pfarrer i.R. Georg Lämmle

Ein geistliches Zeller Original

Ein verschmitztes Lächeln im Gesicht, ein freundliches Wort, zumeist mit einer Prise Humor und Ironie versehen, so kannte man Pfarrer Georg Lämmle noch bis vor wenigen Monaten, wenn er auf seinen Rollator gestützt, auf dem Marktplatz dem Kommen und Gehen zusah oder „Zwiesprache“ am Brunnen mit dem Stadtgründer hielt. Nach der krankheitsbedingten Rückkehr 2008 in seine Heimatstadt, wirkte er als Pensionär und „Dorfpfarrer“ von Güttingen in der Seelsorgeeinheit mit und bereicherte zuletzt noch seit 2019 das Leben im Hl. Geist Spital. Dabei war ihm der geistliche Beruf keineswegs in die Wiege gelegt. 1939 in Radolfzell geboren, wuchs er zusammen mit seiner jüngeren Schwester Monika in der Bollstetterstraße auf. Man konnte ihn auf dem See mit seinen Freunden in der grünen Gundel „Frieda“ (benannt nach der Mutter) genauso erleben wie bei Kolping und verschiedenen Aktivitäten, nicht zuletzt liebte er die Fasnet und das Kleppern. Zunächst absolvierte er eine kaufmännische Ausbildung bei Allweiler, betreute u.a. Kunden von den Zweigstellen in Stuttgart und Hannover aus. Doch der „leise Ruf Gottes“ blieb spürbar und nach Gesprächen mit Pfarrer Günter Hauck von St. Meinrad holte er nach 16 Jahren Lehr- und Berufserfahrung auf dem Zweiten Bildungsweg das Abitur im Spätberufenen-Seminar St. Pirmin in Sasbach nach und begann Theologie und Philosophie in Freiburg, München und St. Peter/Schwarzwald zu studieren. Nach der Priesterweihe (22.5.) und seiner Primiz in Radolfzell (29.5.1977) wirkte er als Diakon in Wollmatingen und in Lörrach als Vikar. Aufgrund seines pädagogischen Talents übertrug man ihm 1978 die Leitung des Seminars in Sasbach und ernannte ihn 1979 zum Rektor. Da er selbst diesen Weg beschritten hatte, war er mit der Lebenssituation der Zöglinge vertraut, konnte sie als Rektor gut begleiten. Schließlich übernahm er 1995 die Pfarrstelle in Tiengen und ab 2003 in Owingen. Wie sehr ihn die Sorge um das Zusammenleben und der Fremdenhass schon damals antrieb, drückt er in einem Pfarrbrief zum Caritassonntag 2006 aus: „Wie groß die Unterschiede auch sein mögen – wir sind eine Menschheit…nicht die Unterschiede, sondern die Gleichheit vor Gott ermutigt uns, aufeinander zuzugehen und das Gemeinsame über das Trennende zu stellen. Wir sind uns ähnlicher als wir denken!“. Mit seiner direkten Art galt er einigen als „Alefanz ohne Orden“, doch wer dahinter schaute, entdeckte sein feines Gespür für die Lebenswirklichkeit und nicht umsonst fielen bei verschiedenen Verabschiedungen und Jubiläen, darunter im Mai 2017 zu seinem 40jährigen Priesterjubiläum, auf seinem Lebensweg immer wieder Worte wie „ein Mensch wie du und ich“, ein „Brückenbauer unter den Menschen“.
Zahlreiche Anekdoten verraten seinen Humor und seine Unerschrockenheit: Als ein Pater in Birnau vor Erstkommunikanten recht „finster“ predigte, stand er auf und signalisierte unmissverständlich und für alle hörbar sein Missfallen: „Note vier, ausreichend!“.
Seine Lebens- und Berufserfahrung schaffte ihm Zugang zu den Menschen, oft jenseits der offiziellen Pfade. „Manchmal müssen wir vor Ort einen Schritt weiter gehen als die Oberen, damit die Ökumene in Bewegung bleibt“. Diese Äußerung von Pfarrer Georg Lämmle könnte man als Vermächtnis sehen: In unserer Gesellschaft Mut haben Dinge weiterzuentwickeln, nicht stehen zu bleiben und darauf zu warten, dass die „Oberen“ es richten. Er ist jetzt, getreu seiner Berufung, den letzten Schritt am 4. Februar weiter gegangen - „Vergelt´s Gott!“ würde er jetzt wohl mit einem Augenblinzeln sagen.                                     CS